Lamellenpergolen sind in den letzten Jahren zu einem immer beliebteren Beschattungssystem geworden. Sie wirken modern, spenden Schatten, ermöglichen Luftzirkulation und bilden bei geschlossenen Lamellen eine Struktur, die vor Regen schützt.
Allerdings besteht ein wichtiger Unterschied zwischen einer leichten Lamellenpergola (einer günstigen, manuell bedienten Bioklimatik) und einem fachgerecht konstruierten Bioklimatik-System. Dieser Unterschied lässt sich anhand von Produktbeschreibungen und Fotos allein nur schwer erkennen.
Wenn Sie eine günstige, manuell bediente Lamellenpergola aus einem Baumarkt, über eine Website oder von einem lokalen Anbieter kaufen möchten, soll Ihnen dieser Ratgeber helfen zu verstehen, was Sie tatsächlich kaufen.
Eine Lamellenpergola ist eine Beschattungskonstruktion aus drehbaren horizontalen Aluminiumlamellen. Je nach System lassen sich die Lamellen manuell über eine Kurbel oder mechanisch über einen Motor bzw. Aktuator bewegen. Durch Ändern des Lamellenwinkels lassen sich die Menge an einfallendem Sonnenlicht und die Luftzirkulation regulieren, außerdem bieten sie Schutz vor äußeren Einflüssen wie Regen und Wind.
Bei geöffneten Lamellen können Luft und Sonnenlicht ungehindert hindurchströmen. Bei teilweise geschlossenen Lamellen entsteht Schatten, während die Belüftung erhalten bleibt. Bei vollständig geschlossenen Lamellen bilden sie ein vollständig abgedichtetes Dach, das vor Regen und Wind schützt. Diese Öffnungs- und Schließbewegung entspricht im Grunde der von bioklimatischen Systemen. Worin besteht also der Unterschied zwischen diesen Systemen?
Nein, ganz sicher nicht.
Das ist eines der größten Missverständnisse auf dem Pergola-Markt.
Lamellenpergolen sind im Grunde eine günstigere Variante des Bioklimatik-Konzepts, die für jedes Budget zugänglich gemacht wurde. Auch wenn zwei Produkte fast identisch aussehen und ihre Lamellen nach demselben Prinzip bewegen, handelt es sich dennoch um unterschiedliche Produkte.
Eine leichte Lamellenbeschattung (eine günstige, manuell bediente Bioklimatik) ist in der Regel für Zwecke wie Sonnen- und Regenschutz, die Nutzung als Terrassenüberdachung im Wohngarten, saisonale Nutzung und eine kostengünstige Installation konzipiert. Ein Bioklimatik-System hingegen wird um Faktoren wie strukturelle Lasten, Windwiderstand, Schneelasten, große Spannweiten, dauerhafte Installation, motorisierten Betrieb, langfristige Außennutzung und optionale seitliche Verglasungssysteme herum konstruiert. Wind- und Schneelastkapazität gehören zu den grundlegendsten Unterschieden zwischen diesen Systemen.
Auch das gehört zu den grundlegenden Unterschieden zwischen den beiden Systemen.
Ein leichtes Beschattungssystem ist ein hervorragendes Produkt für den Zweck, für den es entwickelt wurde. Das macht es aber nicht automatisch geeignet, um einen geschlossenen Wohnraum zu schaffen.
Sobald Sie eine leichte, manuell bediente Bioklimatik kaufen und Systeme wie Schiebeglas, Guillotineglas oder Fenster hinzufügen, geht das System weit über den Zweck hinaus, für den es hergestellt wurde.
Das hinzugefügte Glas erhöht das Gewicht der Konstruktion nicht zusätzlich, aber der Wind, der auf geschlossene Seitenpaneele wirkt, verhält sich völlig anders als Wind, der auf ein System mit offenen Seiten wirkt. Die Idee, dieses System durch das Schließen der Seiten in einen Raum zu verwandeln, kann die Konstruktion Lasten aussetzen, für die sie nie ausgelegt wurde.
Das ist besonders wichtig in Regionen mit Schneefall. Es sollte bedacht werden, dass Lamellenpergolen im Grunde als Sonnenschutz konzipiert sind. Bleiben die Lamellen bei starkem Schneefall geschlossen, kann sich Schnee auf ihnen ansammeln. Übersteigt die Schneelast den Wert, für den das System ausgelegt ist, kann dies zu einer Verformung des Rahmens, einem Verbiegen der Lamellen sowie zu Schäden an Mechanismen oder Verankerungen führen, in manchen Fällen kann das System sogar einstürzen. Deshalb sollte die Schneelastkapazität vor dem Kauf einer Pergola in einer schneereichen Region immer überprüft werden.
"Aluminium ist stabil" ist eine Aussage, die man nicht einfach so hinnehmen sollte. Ja, Aluminiumsysteme sind stabil, aber die Tatsache, dass etwas aus Aluminium besteht, bedeutet nicht automatisch, dass die strukturelle Integrität des Systems ebenso stabil ist.
Neben der Schneelast ist die Wärmedämmung ein weiterer wichtiger Unterschied. Die in bioklimatischen Systemen verwendeten Lamellen sind breiter und höher als jene in Lamellenpergolen. Zudem werden bei bioklimatischen Systemen die Lamellen innen mit EPS (Styropor) oder PU (Polyurethan) gefüllt, um die Dämmung zu verbessern. Wenn Sie eine Lamellenpergola auch für die Winternutzung in Betracht ziehen, müssen Sie mit entsprechenden Heizkosten im Winter rechnen und akzeptieren, dass der Raum trotz dieser Kosten nicht richtig warm wird.
Besonders Menschen in heißen Klimazonen möchten eine Lamellenpergola kaufen, sie mit Glassystemen verglasen und sich so einen kühlen, schattigen Platz im Garten schaffen. Doch auch in diesem Fall ist das Bioklimatik-System der Lamellenpergola überlegen. An einem heißen Sommertag verwandelt sich eine Lamellenpergola mit dünnen, ungefüllten Lamellen nach dem Verglasen der Seiten praktisch in einen Backofen. Wer dieses System speziell wegen des günstigen Preises kauft, greift aus demselben Grund häufig auch zu Einfachverglasung oder Standard-Doppelverglasung. Dadurch wirkt das einfallende Sonnenlicht beim Auftreffen auf das Glas wie durch eine Lupe verstärkt, und der Raum verhält sich wie ein Gewächshaus.
Aus diesen Gründen sollten Sie, wenn sich Ihr Haus in einer heißen Klimazone befindet, einen solchen Raum mit einem gedämmten Dachsystem und Gläsern wie Solar-Low-E-Glas bauen, die die intensive Wirkung der Sonne abschwächen.
Bioklimatische Systeme verwenden erhebliche Mengen an Aluminium. Aluminium ist zudem ein Rohstoff, der fortlaufend an Metallbörsen gehandelt wird. Sein Kilopreis ändert sich je nach Börsenbewegungen sekündlich. Genau daraus sind manuelle Bioklimatiken, also Lamellenpergolen, entstanden. Sie werden nach der Logik hergestellt, dass der Preis umso niedriger ausfällt, je weniger von einem Material verwendet wird, dessen Preis sich ständig und unmittelbar ändert.
Je nach Konstruktion kann ein bioklimatisches System beispielsweise pro Quadratmeter 4-mal so viel Aluminium verbrauchen wie eine leichte, gartentaugliche, manuell bediente Bioklimatik. Diese Zahl ist kein exakter Wert. Die verwendete Aluminiummenge hängt von Breite und Öffnungsmaß ab. Darüber hinaus machen Faktoren wie die Schaumfüllung im Inneren der Lamellen, Motoroptionen und Bewegungsarten das bioklimatische System teurer als die Lamellenpergola. Das Prinzip ist jedoch einfach. Mehr Material bedeutet einen höheren Preis. Ein günstiges System ist günstig, weil es für einen anderen Zweck konzipiert wurde.
Das ist einer der wichtigen Punkte. Wenn Ihr Ziel ein stilvolles, ansprechendes System ist, das Sie mit einem Vorhang oder einer leichten Konstruktion umschließen können, an nicht allzu kalten Tagen mit einem kleinen Heizgerät Zeit im Garten verbringen möchten, an sonnigen, heißen Tagen kühl bleiben wollen, Belüftung wünschen und einen guten Schutz vor Regen und Sonne benötigen, dann ist eine Lamellenpergola eine sehr passende Option für Sie. In diesem Fall wäre die Investition in eine schwere, für hohe Schneelasten, große Spannweiten und ganzjährige geschlossene Nutzung konzipierte Konstruktion eine unnötige Ausgabe.
Bei diesen Systemen liegt das Problem darin, einen Sonnenschutz zu kaufen und von ihm die Leistung eines gedämmten Raums zu erwarten.
Möchte ich nur einen Sonnenschutz? Falls ja, ist eine leichte, manuell bediente Bioklimatik bzw. Lamellenpergola eine ausgezeichnete Wahl.
Möchte ich einen ganzjährig nutzbaren Außenraum? In diesem Fall sollten Sie nach einem fachgerecht konstruierten bioklimatischen Dachsystem sowie passenden seitlichen Verglasungssystemen suchen.